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Caroline Mitschke
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Von der Kita zum Kinder- und Familienzentrum
Von der Kita zum Kinder- und Familienzentrum

Evaluierende Begleitung von acht Kinder- und Familienzentren in Stuttgart


Die Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Kinder- und Familienzentren (KiFaZ) kann als Ausdruck von miteinander in Wechselwirkung stehenden gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen verstanden werden. Dabei ist zu denken an Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt (Entgrenzung/Subjektivierung von Arbeit), veränderte Rollenbilder (Väterzeit), Gleichberechtigung/Frauenbewegung, Pluralisierung von familialen Lebensformen oder die Pädagogisierung von Kindheit. Sie führen in der Gemengelage u. a. dazu, dass die Lebenslagen von (jungen) Familien und die Anforderungen an Familien immer komplexer werden und dass – unabhängig von der Bildungsschicht – bestimmte Problemlagen und Herausforderungen wie z. B. die Vereinbarkeit von Elternschaft, Familienleben und Beruf zu bewältigen sind.

Den Blick auf das „System Familie” weiten

Um Benachteiligungen im Aufwachsen von Kindern aufzufangen und Chancengleichheit für alle Kinder (und Familien) zu gewähren, insbesondere von Kindern aus alleinerziehenden, kinderreichen oder bildungsbenachteiligten Familien und Familien mit Migrationshintergrund, braucht es professionelle institutionalisierte Unterstützungssysteme, die Kinder so früh wie möglich individuell fördern und Eltern und Familien auf Basis einer lebenslagen sensiblen Erziehungspartnerschaft niedrigschwellig und passgenau unterstützen. Kitas müssen somit einem doppelten Bildungsauftrag nachkommen:

  • Individuelle Förderung von Kindern sowie
  • Zusammenarbeit mit und Förderung von Bildungs- und Beteiligungsprozessen von Eltern und Familien.

Viele Kitas erfüllen bereits einige der in diesem doppelten Bildungsauftrag enthaltenen Aufgaben – zu einer Weiterentwicklung zu einem KiFaZ muss jedoch der bislang primär auf die Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern gerichtete Blick systematisch und professionell auf Eltern und das ganze System „Familie“ ausgeweitet werden.

Von der Kita zum KiFaZ: Evaluationen in Stuttgart

Wie gut dies in acht Einrichtungen in der Stadt Stuttgart bereits gelingt, galt es in einer evaluierenden Begleitung zu erforschen. Darüber hinaus stand die Frage nach dem Besonderen eines KiFaZ gegenüber einer Kita im Zentrum des Erkenntnisinteresses der Stadt Stuttgart.

Seit 2012 erhielten acht Einrichtungen in der Stadt Stuttgart eine laufende finanzielle Förderung zur Weiterentwicklung von einer Kindertagesstätte zu einem KiFaZ. Die pädagogischen Fachkräfte, Einrichtungsleitungen sowie Eltern von Kindern aus den Kinder- und Familienzentren wurden schriftlich befragt. Zusätzlich bot das ISS-Frankfurt a. M. individuelle Beratungen für die acht Einrichtungen an und führte eine Gruppendiskussion mit den Einrichtungsleitungen durch.

Ergebnisse der Untersuchungen

Die Evaluation zeigte, dass sich befragte Eltern durch den Besuch des KiFaZ und die Gespräche mit den Fachkräften in ihrer Rolle als Mutter/Vater gestärkt und sie sich als junge Familie wahrgenommen fühlen. Die Beziehung zwischen befragten Eltern und pädagogischen Fachkräften wurde von beiden Seiten als wertschätzend, offen, respekt- und vertrauensvoll beschrieben, womit die Grundfesten einer tragfähigen Beziehung gelegt sind – das A und O für eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften.

In der evaluierenden Begleitung wurde weiterhin deutlich, dass eine Weiterentwicklung zu einem KiFaZ nur dann erfolgreich gelingen kann, wenn auch die pädagogischen Fachkräfte an einer „Weiterentwicklung“ ihrer pädagogischen Haltung arbeiten, was eine fortwährende Auseinandersetzung mit eigenen Wertvorstellungen und Bildern von Familie, Elternschaft oder Erziehung impliziert. Der Übergang von einer Kita zu einem KiFaZ gestaltet sich äußerst fließend, weshalb auch eine Reflektion der eigenen, veränderten Rolle und beruflichen Identität als Fachkraft in einem KiFaZ gegenüber einer Kita erfolgen muss.


 

Auftraggeber:
Jugendamt der Landeshauptstadt Stuttgartexterner Link

Projektlaufzeit:
2012 – 2016