Qualitative Befragung des ISS zeigt: Jugendliche lehnen ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige überwiegend ab

Eine qualitative Vorstudie des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) zeigt: Ein überwiegender Teil der befragten Jugendlichen unter 16 Jahren lehnt ein generelles Social-Media-Verbot ab und benennt sowohl digitale Risiken als auch Chancen. Beauftragt wurde die Studie durch den Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Frankfurt am Main/ Berlin, 26.01.2026 Australien hat es bereits durchgesetzt, Deutschland diskutiert noch darüber: Ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Um deren Perspektiven sichtbarer zu machen, hat das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS e.V.) die Studie „Wenn man uns fragen würde...!“ in Jugendzentren der Arbeiterwohlfahrt (AWO) durchgeführt.

In Gruppeninterviews in ganz Deutschland mit insgesamt 30 Jugendlichen ab 14 Jahren zeigte sich, dass ein Großteil der Befragten ein pauschales Social-Media-Verbot ablehnt. Gleichzeitig schätzen sie digitale Gefahren gut ein und wünschen sich Schutz für Jüngere. Einige Jugendliche sprechen sich für differenzierte Lösungen aus, beispielsweise ein Mindestnutzungsalter von 14 Jahren, das stärkere Einbinden von Eltern oder die Verantwortungsübernahme durch Plattformen wie Meta, TikTok oder YouTube. 

Die Jugendlichen beschreiben soziale Medien ambivalent: Sie benennen Risiken, sehen aber auch klare Chancen. Einige berichten von Suchtverhalten, gefährlichen Online-Challenges, pornographischen Inhalten oder digitalen Übergriffen, etwa durch belästigende Kontakte. Teilweise schildern die Jugendlichen auch, welche Sicherheitsmaßnahmen sie im Umgang mit solchen Situationen ergreifen. Gleichzeitig geben viele der Befragten an, dass soziale Medien eine zentrale Rolle in der Kommunikation mit Freund*innen spielen und als wertvoller Informations- und Unterhaltungskanal funktionieren. Eine befragte Person sagt: „weil man erfährt auch mehr über die Welt, was gerade geschieht. Zum Beispiel die Nachrichten. Und so gibt es ja auch alle Sender in Tiktok. […] Da kann man auch viel lernen […].“ 

Die Studie des ISS e.V. darf als Ausgangspunkt verstanden werden, um künftig noch umfassendere Forschungsvorhaben zur Fragestellung umzusetzen. Marius Hilkert, wissenschaftlicher Mitarbeiter des ISS im Bereich „Soziale Praxis“, ordnet die Ergebnisse wie folgt ein: „Die politische Debatte um das Social Media Verbot ist gerade omnipräsent. Zu dieser Verbotsdebatte wollten wir unbedingt Stimmen von Jugendlichen einfangen – auch, um sie an Forschung zu beteiligen und komplexere Sichtweisen darzustellen. Wir erhoffen uns auch, dass diese ersten Einsichten in weiteren Studien flächendeckender erforscht und Konsequenzen für die pädagogische Praxis gezogen werden.“

Die Durchführung der Studie wurde vom AWO Bundesverband e.V. beauftragt und im Rahmen des Kinder- und Jugendplan durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik ist ein unabhängiges Praxisforschungs- und Beratungsinstitut, spezialisiert auf sozial- und gesellschaftspolitische Handlungsfelder. Das Institut wurde im Jahr 1974 vom Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gegründet und ist seit 1991 als rechtlich selbständiger gemeinnütziger Verein organisiert.

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Hier finden Sie Hintergrundinfos zur Befragung,  die Studie und zugehörige FAQs.

Für Fragen der Öffentlichkeitsarbeit rund um die Studie wenden Sie sich gerne an theresa.koechl(at)iss-ffm.de

Die Pressemitteilung des AWO Bundesverbands zum Thema finden Sie hier.