Bildnachweis: Canva und Cover der ISS-Handreichung
Neue ISS-Handreichung zeigt, wie armutssensibles Handeln an Grundschulen gelingen kann
Mit der neuen Handreichung „Armutssensibles Handeln an Grundschulen“ liegen praxisnahe Impulse und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse aus dem Gelsenkirchener Modellprojekt „ZUSi geht in die Grundschule!“ vor. Das Projekt wurde von der RAG-Stiftung gefördert und der Stadt Gelsenkirchen in Kooperation mit freien Trägern der offenen Kinder- und Jugendhilfe zwischen 2021 und 2025 umgesetzt.
Das Modellprojekt knüpft an das erfolgreiche Kita-Projekt „ZUSi – Zukunft früh sichern!“ an und überträgt dessen präventiven, ressourcen- und talentorientierten Ansatz auf den Primärbereich. In drei Grundschulen im sozial hoch belasteten Stadtteil Gelsenkirchen-Ückendorf wurde erprobt, wie armutssensibles Handeln strukturell verankert und im pädagogischen Alltag umgesetzt werden kann. Ein Jahrgang von Kindern wurde vom Schuleintritt bis zum Übergang in die Sekundarstufe I begleitet. Im Mittelpunkt standen zusätzliche kostenfreie Lern-, Förder-, Bewegungs-, Kultur- und Kreativangebote, verlässliche Mittags- und Hausaufgabenangebote, Sprachförderung sowie eine mehrjährige Übergangsbegleitung.
Die Publikation richtet sich an Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulsozialarbeit, Fachkräfte der Jugendhilfe, kommunale Verantwortliche und bildungspolitische Akteur*innen, die Kinder in Armutslagen im Grundschulalter wirksam unterstützen und Bildungsbenachteiligungen frühzeitig entgegenwirken wollen.
Zentrale Evaluationserkenntnisse
- Armutssensible Grundschulen brauchen eine konsequent potenzial- und ressourcenorientierte Haltung: Kinder werden nicht über Defizite, sondern in ihren Stärken, Interessen und Lebenslagen wahrgenommen; zugleich müssen niedrigschwellige, verlässliche und in den Schulalltag integrierte Angebote sicherstellen, dass Teilhabe nicht an Kosten, Organisation oder familiären Ressourcen scheitert.
- Wirksame armutssensible Förderung entsteht im Zusammenspiel vieler Akteur*innen: Lehrkräfte, Jugendhilfe, Schulsozialarbeit und weitere Partner arbeiten strukturiert, verbindlich und wertschätzend zusammen; durch die Öffnung in den Sozialraum und Kooperationen mit Vereinen, Kultur-, Sport- und Jugendhilfeangeboten entstehen zusätzliche Erfahrungs- und Teilhaberäume für Kinder.
- Besonders günstige Entwicklungsverläufe und Hinweise auf stabilere schulische Leistungen zeigten Kinder, die bereits im Kita-Projekt unterstützt wurden und anschließend in der Grundschule weiter begleitet wurden.
- Zusätzliche Förderangebote können strukturelle Armut nicht allein ausgleichen. Sie entfalten ihre Wirkung besonders dann, wenn sie in eine armutssensible Schulentwicklung, multiprofessionelle Kooperation und kommunale Präventionsketten eingebettet sind.
- Besonders deutlich zeigen sich Wirkungen auf Ebene der professionellen Praxis: Lehrkräfte nehmen Kinder – im Kontrast zur Vergleichsgruppe – ressourcenorientierter wahr, erkennen häufiger Talente und bewerten ihr Arbeits- und Sozialverhalten differenzierter und positiver.
Die Handreichung verbindet diese Evaluationserkenntnisse mit konkreten Anregungen für die Praxis. Sie zeigt, wie Schulen stabile pädagogische Beziehungen gestalten, Ausgrenzungserfahrungen vermeiden, Teilhabe ermöglichen und Kinder in ihren Stärken sichtbar machen können. Damit bietet sie nicht nur fachliche Orientierung, sondern auch umsetzbare Beispiele für Unterricht, Ganztag, Schulsozialarbeit, Elternarbeit und Kooperation im Sozialraum.
Die Publikation lädt dazu ein, Armutssensibilität im Grundschulbereich konsequent weiterzudenken: als Haltung, als pädagogische Praxis und als strukturelle Aufgabe. Sie macht Mut, vorhandene Handlungsspielräume zu nutzen, gute Beispiele weiterzuentwickeln und zugleich die notwendigen Rahmenbedingungen für armutssensible Bildung einzufordern. Denn die zentrale Botschaft des Projekts bleibt hoch aktuell: Die Zukunft armutsbetroffener Kinder soll und kann man früh sichern!
