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Die Projektgruppe „Zivilgesellschaft“

Kurzdarstellung:

Die Bedeutung der Zivilgesellschaft und ihrer Organisationen ist seit längerem Gegenstand unterschiedlicher, mitunter stark normativ aufgeladener Debatten. Dabei bleibt der Begriff der Zivilgesellschaft oft unscharf. Vielen gilt sie als Rettungsanker angesichts der Erosion sozialer Sicherungssysteme und der zunehmenden Politik- und Institutionenverdrossenheit, aber auch im öffentlichen Diskurs um die Widerstandsfähigkeit unserer Demokratie gegen Rechtsexextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Andere beklagen einen Rückzug des Staates aus öffentlichen Aufgaben und ein Versagen des Marktes, sie befürchten eine Indienstnahme der Zivilgesellschaft als „Lückenbüßer“.

Zivilgesellschaft beschreibt den Bereich des am Gemeinwohl orientierten Handelns zwischen Staat, Markt und Privatsphäre. Bürgerinnen und Bürger setzen sich für eigene Belange und für die Belange anderer ein. Engagement schafft Raum für gesellschaftliche Teilhabe, es fördert sozialen Zusammenhalt und Inklusion. Gleichzeitig zeigen verschiedene Studien aber auch, dass die Zugänge zum Engagement durch soziale, kulturelle und ökonomische Faktoren bedingt sind und (noch) nicht allen gesellschaftlichen Gruppen in gleichem Maße offenstehen. Um den Anspruch einzulösen, zur Entwicklung einer aktiven und lebendigen Demokratie beizutragen, bedarf es geeigneter Rahmenbedingungen und einer passgenauen Infrastruktur, die Zugänge fördert und eine nachhaltige Beteiligung aller ermöglicht.

Der Weiterentwicklung der Zivilgesellschaft bzw. der Förderung bürgerschaftlichen Engagements widmet unser Institut daher seit mehreren Jahren besondere Aufmerksamkeit. So ist das ISS-Frankfurt a.M. Mitglied im Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und dort aktuell in den Arbeitsgruppen ‚Rahmenbedingungen’ (AG 1), ‚Qualifizierung/Bildung‘ (AG 2), ‚Freiwilligendienste‘ (AG 3), Migration/ Integration’ (AG 5) und ‚Demographischer Wandel’ (AG 8) vertreten, um zum Erfahrungsaustausch und zur fachlichen Weiterentwicklung in dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten Netzwerk beizutragen.

Derzeit geht das Institut insbesondere der Frage nach, welche Folgen die Monetarisierung des Engagements für die Organisationen, aber auch für die Engagierten selbst hat. Welche positiven und welche negativen Wechselwirkungen gibt es zwischen den Bereichen Engagement und Erwerbsarbeit? Unter welchen Bedingungen können in informellen Lernprozessen im Engagement erworbene Kompetenzen Übergänge in die Erwerbsarbeit auch und gerade für benachteiligte Menschen erleichtern? Wo behindern arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Maßnahmen eine Weiterentwicklung des Engagements und wie stellen Organisationen des Dritten Sektors unter diesen Bedingungen die Freiwilligkeit und den „Eigensinn“ des Engagements sicher?

Eng verzahnt mit dem Diskurs der Zivilgesellschaft ist die wissenschaftliche Diskussion um die Bedeutung sozialen Kapitals, das sich auf persönliche Netzwerke im Vertrauen auf andere Menschen und auf geteilte Werte und Normen gründet. Als bundeszentral tätige Forschungs- und Beratungseinrichtung der Sozialen Arbeit interessiert uns insbesondere, wie sich die Wohlfahrtsverbände als Produzenten und Vermittler sozialen Kapitals positionieren. Denn, so die Annahme, nur mit dem zivilgesellschaftlichen Mehrwert ihres Angebots können die Wohlfahrtsverbände auf einen zunehmend durch die Regeln des Wettbewerbs bestimmten europäischen Markt sozialer Dienste allgemeinen Interesses und auf den Schwund von Mitgliedern reagieren.

Ansprechpartner im ISS:

Susanne Rindt
Tel.: 030 284 93 89 - 10
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Aktuelle Veröffentlichungen im Themenfeld der Projektgruppe:

Ludger Klein (Hrsg.) 2007: Öffnung von Institutionen für das bürgerschaftliche Engagement älterer Menschen. Dokumentation zum Workshop des BMFSFJ am 09./10. August 2007 in Münster, herausgegeben im Auftrag des BMFSFJ, ISS-Aktuell 13/2007

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