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Der ständige Wechsel ist zur Regelpraxis geworden


1972 legen Wolfgang Bäuerle und Harry Lüdicke einen Planungsentwurf für ein Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik vor. Das Institut soll einen nahen Bezug zur Praxis haben, sich an den Bedarfslagen der Praxis orientieren und durch konkreten Anwendungsbezug, den Transfer von wissenschaftlichem Wissen in die Praxis ermöglichen. Zudem solle Innovation durch Fortbildung bei den Trägern der Sozialen Arbeit gestärkt werden.

Dieser Entwurf ist auch heute noch im Grundverständnis des ISS als Praxisforschungsinstitut verankert und bestimmt das Selbstverständnis, die Themen-, Angebots- und Dienstleistungspalette sowie die konkrete Projektarbeit in Kooperation mit den Trägern der Sozialen Praxis.

Anfänglich im thematischen Dreieck von Jugendhilfe, Migration und Sozialem verortet, kommen Fragen der Gleichstellung der Geschlechter, des Strafvollzugs, Menschen in besonderen Lebenslagen sowie des Sozialmanagements hinzu. Der zentrale Problemfokus bleibt über die Jahrzehnte allerdings nahezu unverändert: Wissenschaftliche fundierte Praxisentwicklung in Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Kooperation mit den Trägern und Einrichtungen der Sozialen Arbeit.

Die Gründungphase in den 70er und 80er Jahren

Im Jahr 1974 konstituiert sich das ISS als Einrichtung der Gesellschaft für Sozialforschung und Sozialplanung (GSS), einer Gesellschaft des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Mit dem Umzug von Rolandseck (Remagen bei Bonn) nach Frankfurt am Main zur Jahreswende 1975/76 wird das ISS in die institutionelle Förderung des Bundes aufgenommen. Diese anteilige Bundesförderung, eine jährliche Zuwendung durch den Bundesverband der AWO und die Erwirtschaftung eines Eigenanteils ergibt die ISS-typische Mischfinanzierung, aus der sich ein strukturelles Spannungsverhältnis zwischen „Betrieb und Behörde“ bzw. zwischen Marktbezug, Drittmittelakquise und Leistungen im Bundesinteresse ergibt.

Themen & Arbeitsschwerpunkte

Ist das erste Projekt des ISS – ein wenig atypisch – die Durchführung des sozialpolitischen Begleitprogramms der Kieler Woche, so liegt der Arbeitsschwerpunkt in den 1970er Jahren auf sozialpädagogischen Erziehungskursen als neue Angebotsform der Jugendhilfe und auf der Wirkungsweise der Erziehungsarbeit. Darüber hinaus ist die Bekämpfung von Armut im Rahmen der Begleitforschung für die Europäische Gemeinschaft ein Hauptthema.

In den 1980er Jahren werden außerdem verstärkt Projekte der Ausländersozialarbeit, der Heimerziehung und ihrer Alternativen und der zielgruppenorientierten Jugendhilfe durchgeführt. Zudem berät das ISS Kommunen bei der Durchführung ihrer sozialarbeiterischen Aufgaben. Insbesondere die Befähigung von Fachkräften zum Management in sozialen Organisationen rückt in den Fokus von Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen.

Die Umbruchphase Anfang der 90er Jahre

Wird bereits 1986 ein träger- und fachplural zusammengesetztes Kuratorium als Beratungsgremium des ISS eingerichtet, das fachlich beratend und bei der konzeptionellen Weiterentwicklung begleitend tätig ist, so wird ab 1990 ein neuer Zuschnitt des Instituts diskutiert, der sich in einer klareren Hierarchisierung, Arbeitsteilung und Leitungsverantwortung sowie in veränderten Arbeitsbereichen zeigt.

1991 vollzieht sich die Trennung von der GSS, und das ISS wird als rechtlich selbstständiger eingetragener Verein gegründet. Mit der Gründung wird auch das Selbstverständnis des ISS aktualisiert. Gemäß der neuen Institutsphilosophie ist das ISS verpflichtet, „durch Praxisberatung und Praxisforschung Entwicklungen (Innovationen) der Sozialen Arbeit mit dem Ziel zu befördern, die soziale Praxis auf die jeweils geltenden aktuellen fachlichen Standards auszurichten“.

Aus dieser Corporate Identity lassen sich die Angebotstypen ableiten, die das Aufgaben- und Dienstleistungsspektrum des ISS bis heute beschreiben. Neben Gutachten und Expertisen sind dies Projekte zur

  • Praxisberatung und Praxisforschung;
  • wissenschaftlichen Begleitung von Modellversuchen;
  • Planungsberatung/Planerstellung;
  • Organisations-/Personalentwicklung und -beratung;
  • Steuerung- und Verwaltungsreform.

Daneben sind es regelmäßig Qualifikationsangebote speziell für leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Projekt- und Sozialmanagement, projekt-/institutionsbezogene sowie bundeszentrale Fort-/Weiterbildung, Expert/innentreffen und Fachtagungen sowie mehrjährige berufsbegleitende Zusatzqualifikationen.

Um den Wissenstransfer aus Lehre und Forschung in die Praxis der Sozialen Arbeit zu gewährleisten, agiert das ISS in enger Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen wissenschaftlichen Instituten und Einrichtungen sowie mit allen öffentlichen und freien Trägern der Sozialen Arbeit. Im Zuge dieser Dienstleistungsorientierung werden die Projektergebnisse in verschiedenen Formen und Foren der (Fach-)Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Hier finden Sie die jeweils aktuelle Übersicht über die Veröffentlichungen des ISS (Reihen, Newsletter, Zeitschrift Migration und Soziale Arbeit etc.).

Themen & Arbeitsschwerpunkte

Die interne Restrukturierung des ISS, die vereinigungsbedingte Umbruchssituation und die Veränderungen am Markt der Sozialbranche mit Angebots- und Nachfrageorientierung erfordern fortlaufend eine thematische Neujustierung des ISS.

Die Zielgruppen Mädchen, Familien und ältere Menschen rücken stärker in den Mittelpunkt und angesichts zunehmender Ökonomisierungstendenzen in den Einrichtungen der sozialen Arbeit werden Inhalte und Techniken des Sozialmanagements für die Leitungsebenen sowie Projekte der Organsiationsentwicklung und -beratung angeboten.

Im Bereich Jugend- und Familienhilfe bedeutet insbesondere das Inkrafttreten des neuen Kinder- und Jugendhilfegesetzes eine bislang unbekannte Planungsverpflichtung der (Landes-) Jugendämter, bei denen das ISS beratend und begleitend tätig ist.

Im Bereich Erwachsenenhilfe und Altenarbeit entstehen Projekte (z.B. in Halberstedt und Brandenburg) für Menschen im Vorruhestand zur gemeinsamen Entwicklung neuer beruflicher oder auch bürgerschaftlicher Perspektiven.

Im Bereich Organisationsentwicklung und Sozialmanagement werden schwerpunktmäßig Projekte zur Unterstützung beim Auf- bzw. Umbau in Sozialbehörden, Wohlfahrtsverbänden und Einrichtungsträgern angeboten. Seit 1993 ist die Qualifizierung im Bereich ehrenamtliches Engagement ein Schwerpunkt im Bereich Fort-/Weiterbildung und Organisationsentwicklung.

Anfang und Mitte der 90er Jahre zeichnen sich neue (sozial-)politische Herausforderungen ab: Arbeitsmarkt, Armut sowie Aggression und Gewalt kennzeichnen die Projektthemen.

Hinzu kommt seit 1993 der Bereich Drogen/Sucht, seit 1995 der Arbeitsschwerpunkt Qualifikation mit berufsbegleitender Weiterbildung zum Berater/zur Beraterin für Personal- und Organisationsentwicklung im behördlichen Bereich, eine Ausbildung in Jugendhilfeplanung und eine Ausbildung in Vermittlung (Mediation).

Leitbildentwicklung Ende der 90er Jahre

Im Jahr 1999 startet ein internes Projekt zu Qualitätsmanagement und -sicherung innerhalb des ISS. Im Zuge einer Leitbildentwicklung wird die Corporate Identity des ISS auf der Basis von (fast) 30 Jahren Institutsentwicklung und -erfahrung auf eine aktuelle Formel gebracht:

„Soziale Gerechtigkeit ist Grundwert und zentrale Leitkategorie für alle Tätigkeitsfelder des ISS-Frankfurt am Main“.

Der idealtypische Kreislauf von Analyse in konkreten Lebensbedingungen und Betroffenenbedürfnissen vor Ort und darauf basierend Modell- und Konzeptentwicklung sowie die Praxiserprobung in Projekten bleibt das Fundament der Projektarbeit und des Selbstverständnisses des ISS. Der anschließende bundesweite Transfer der Ergebnisse und Erkenntnisse führt über Fort- und Weiterbildungen sowie Tagungen, in Veröffentlichungen und Gremien- und Organisationsarbeit der Mitarbeiter/innen in die Praxis der Sozialen Arbeit. Durch diesen Ergebnistransfer zeigt sich die Stärke des ISS als wissenschaftlich begründet handelndes und in seiner Wirkung bundesweit ausgerichtetes Service-Institut.


Leitung des ISS und des ISS e.V.

Vorsitzende des ISS

1974 bis 1978 Wolfgang Bäuerle
1978 bis 1990 Bernd Maelicke

Direktoren des ISS

1990 bis 1997 Dieter Kreft
1998 bis 2014 Hans-Georg Weigel
seit 2014         Benjamin Landes

Vorsitzende des ISS e.V.

1990 bis 1996 Manfred Ragati
1997 bis 2004 Helga Henke-Berndt
seit 2004         Rudi Frick

Leitlinien
ISS-Leitlinien
Vorstand

Die Mitgliederversammlung des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. hat für die Wahlperiode 2012-2016 in den Vorstand gewählt:

  • Rudi Frick (Vorsitzender des Vorstandes)
  • Prof. Dr. Thomas Beyer
  • Helga Kühn-Mengel, MdB
  • Gerwin Stöcken