Alleinerziehende Migrantinnen in Deutschland − eine bagatellisierte Bevölkerungsgruppe mit vielfältigen Unterstützungsbedarfen
Menschen mit Migrationshintergrund und Alleinerziehende gehören zu den Gruppen in Deutschland, die ein besonders erhöhtes Armutsrisiko aufweisen. Wie sehen jedoch die Lebenslagen und Lebenssituationen von Personen aus, für die beide Merkmale zutreffen? Welche Unterstützung brauchen und wünschen sie sich?
Am 15. Juni 2011 veranstaltete das ISS-Frankfurt a. M. einen Dialog, um mit Expertinnen und Experten aus der Sozialen Arbeit, aus Kommunen und aus Politik und Wissenschaft über Problemlagen, Bedarfe und Unterstützungsleistungen zu diskutieren.
Vier Impulsvorträge setzten der Veranstaltung den Rahmen. Zunächst berichtete Dr. Jörg Dittmann vom ISS-Frankfurt a. M. auf der Grundlage statistischer Daten über Benachteiligungen die entstehen, wenn Menschen mit Migrationshintergrund ihre Kinder alleine erziehen. So unterschiedlich die Lebenswelten von Migrantinnen und Migranten sind, so eindeutig sind die Hinweise aus Repräsentativbefragungen, dass die Lebensbedingungen von den überwiegend weiblichen alleinerziehenden Migrantinnen sich besonders schwierig gestalten. Während bereits jede dritte allein erziehende Deutsche von Armut bedroht ist, ist es bei den alleinerziehenden Migrantinnen sogar jede zweite Person.
Wie problematisch es für viele alleinerziehenden Migrantinnen ist, beruflich Fuß zu fassen, darüber berichtete Bettina Eichhorn, Frauenreferentin der Stadt Frankfurt. Die spezifischen Unterstützungsbedarfe, die sich aus den unterschiedlichen Anliegen der allein erziehenden Frau ergeben, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, so Eichhorn, dass Rahmenbedingungen, wie etwa die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen, dringend reformiert werden müssen.
„Kleine Erfolge können bereits sehr viel in Bewegung bringen, wenngleich die berufliche Integration oftmals ein weiter Weg ist“, so lautete das Fazit von Doro Cramer und Sükriye Altun-Mangel von beramí e.V.. Cramer und Altun-Mangel berichteten über ihre Arbeit bei beramí. Der Verein unterstützt bereits seit den 1990er Jahren professionell Migrantinnen und Migranten bei der Entwicklung einer beruflichen Perspektive und bietet dabei auch ein speziell auf die Bedürfnisse von Alleinerziehenden abgestimmtes Programm an.
Welche bestimmende Rolle Trennung, Gewalterfahrungen, familiäre Widerstände und Fragen zum aufenthaltsrechtlichen Status für das Wohlbefinden von alleinerziehenden Migrantinnen spielen können, darauf verwies schließlich die Psychologin Nazan Özgül-Onağaçlar anhand ihrer Arbeit mit betroffenen Frauen am Internationalen Familienzentrum in Frankfurt.
Übereinstimmend kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu dem Ergebnis, dass sich sowohl öffentlich wie auch fachlich und wissenschaftlich bisher zu wenig mit alleinerziehenden Migrantinnen auseinandergesetzt wird, obwohl sie in der Praxis Sozialer Arbeit sehr präsent sind.

