Ansätze innovativer Stadtentwicklungs- und Sozialplanung
Die alternde Gesellschaft bringt für Städte und Gemeinden beträchtliche Anforderungen mit sich. Kommunen stehen vor der Aufgabe, auf die Veränderungsprozesse nicht nur zu reagieren, sondern deren Chancen zu nutzen und sich Handlungsspielräume zu erschließen. Durch eine innovative Sozial- und Infrastrukturplanung müssen sie sich auf die Altersverschiebungen in der Bürgerschaft vorbereiten.
In der Fachgesprächsreihe „ISS im DIALOG“ wurde das Thema am 28. Oktober 2010 unter dem Titel „Ansätze innovativer Stadtentwicklungs- und Sozialplanung“ aufgegriffen und mit Experten und Praktikern kommunaler Planung diskutiert.
Ein Vortrag zu „Wohnen älterer Menschen – Welche Handlungsmöglichkeiten hat die Kommune“ von Prof. Dr. Daniela Birkenfeld (Stadträtin und Dezernentin für Soziales, Senioren, Jugend und Recht der Stadt Frankfurt) eröffnete die Veranstaltung. Die Bedeutung ressortübergreifender Planung wurde mit Beispielen zu Schnittstellen aufgezeigt und Steuerungsmöglichkeiten der Kommune zur Entwicklung von Wohnraum und Wohnumwelt herausgearbeitet. Sie reichen von verbindlichen Festschreibungen im Bebauungsplan über Steuerung via Zuschüsse bis zur Anbahnung von Kooperationen.
Mit einem zweiten Impulsreferat zu „Innovativer partizipationsorientierter Stadtentwicklung“ legte Dr. Wilfried Reckert, Senioren- und Behindertenbeauftragter der Stadt Gelsenkirchen, dar, wie Kommunen Strukturen schaffen können, die Selbstorganisation ermöglichen. Aufbauend auf einem konsentierten politischen Willen zur Querschnittsverantwortung eröffnen sich Chancen der Kommune als Moderatorin. Es geht um das Entwickeln und Pflegen einer Kooperationskultur in der Vernetzung von Akteuren und der Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern. Eine professionelle hauptamtliche Begleitung wurde als notwendiges Pendant zu einem hohen Maß an Eigeninitiative erörtert.
Im Diskurs wurde eine partizipative Altersplanung durch frühzeitiges Einbeziehen und den Dialog mit den Älterwerdenden unterstrichen. Die Möglichkeiten einzelner Stadtteile sind oftmals sehr unterschiedlich und sie vereinen heterogene Lebenswelten, so dass sich ganz verschiedene Handlungsbedarfe ergeben können. Mit kleinräumigen Bedarfsanalysen ist zusätzlich eine verlässliche Basis für Steuerungsansätze zu schaffen. Unterschiedliche Rahmenbedingungen im städtischen und im ländlich geprägten Raum wurden diskutiert.
Konsens bestand darin, dass der Blick auf unterschiedliche Bedürfnisse von Gruppen eine neue Qualität in der Stadtentwicklung schafft, die nicht nur Älteren zugute kommt. Unterschiedliche Formen der Bürgerbeteiligung wurden vorgestellt und auf die Chance der kreativen Entfaltung von Potentialen hingewiesen. Verschiedene Statements verwiesen auf den Weg hin zu einer integrativen Sozialplanung, die sich vom Versäulungsdenken in den Ressorts und Planungsbereichen löst. Auch intrakommunale Vernetzung muss erlernt werden. Eine einheitliche Linie der politischen Ebene spielt in der Erfahrung der Diskutanten eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur demografiesensiblen Kommune.
Aufgegriffen wurde auch die zum Teil prekäre Finanzlage in den Kommunen, die Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt, und ob sich partizipative Strategien auswirken können. Dabei wurde die Bedeutung von Förderprogrammen unterstrichen. Sie werden genutzt als Möglichkeit zu experimentieren und Entwicklungen anzustoßen, doch wurde die Notwendigkeit betont, Kontinuität herzustellen.
Wir werden Sie informieren sobald die Dokumentation dieser Veranstaltung fertig gestellt ist.
Ansprechpartnerin im ISS
Leonore Köhler |
|
Tel.: 069 95 789-157 |



